Kurzurlaub in Kroatien

Das lange Wochenende vom 25. - 28. Mai 2006 wollten wir für einen Ausflug nach Kroatien nützen und einmal ein bisschen mehr als nur die Küste sehen.

Also wurde Infomations- und Kartenmaterial gesammelt, das Internet durchforstet und eine grobe Routenplanung vorgenommen. Als erstes stand die Anreise und ein Besuch bei den Plitvicer Seen am Programm. Je nachdem, wie lange wir dafür brauchen würden, ließen wir uns den Ort der Übernachtung offen und wollten von dort weiter ins Velebit-Gebirge.
Schon bei der Anreise suchten wir ein paar kleine Nebenstrassen heraus und wurden gleich einmal mit Unerwartetem überrascht: Eine zwar wunderschöne, grüne Landschaft, allerdings vollkommen sich selbst überlassen. Kein Mensch, kein Tier, dafür immer wieder eine Ruine und rechts und links der Strasse alle paar 100 Meter ein Minenwarnschild. Dies alles hatte man irgendwann einmal in den Nachrichten mitbekommen, doch so plötzlich, nach so vielen Jahren und eigentlich so nahe der Heimat mit der Realität konfrontiert zu werden, das bereitet schon ein mulmiges Gefühl in der Magengegend.
Umso mehr beeindruckt waren wir dann von den Plitvicer Seen! Wirklich kitschig, wie sich dort die 16 Seen in unzähligen großen und kleinen Wasserfällen und Bächen ineinanderstürzen und man mitten drin stehen kann. (Fotos)

Nachdem wir am späteren Nachmittag mit der Wanderung an den Seen fertig waren, beschlossen wir noch weiter zu fahren und uns einen Campingplatz an der Küste zu suchen. Auch dorthin fanden wir noch eine Möglichkeit abseits der asphaltierten Strasse über eine Schotterpiste und einen Bergsattel ans Meer zu kommen. Und auch hier trifft man wirklich alle 100 Meter auf ein Warnschild. Ein Verlassen der Schotterpiste kam für uns daher nicht in Frage, auch wenn wir gerne noch auf den einen oder anderen Gipfel gestiegen wären.
In Starigrad, dort befindet sich auch der Eingang in den Paklenica Nationalpark, fanden wir einen netten, kleinen Campingplatz und schlugen unser Zelt für die nächsten beiden Nächte auf.

Am nächsten Tag ging´s dann in den südlichen Teil des Velebit-Gebirges. Leider hatten wir keine genauen Karten die uns jeden Weg im Gebirge angezeigt hätten, und so versuchten wir eben auf gut Glück eine Querung des Gebirges (zumindest waren ja Fusswege eingezeichnet ;o))
Vorerst folgten wir allerdings diversen Nebenstrassen im Hinterland. Und ständiger Begleiter waren die bereits bekannten Minenschilder.
Auch sonst wieder die harte Realität: Keine Menschenseele, kein Tier, alles wie ausgestorben und sich selbst überlassen, eine Ruine reihte sich an die anderen!!!
Einmal verfransten wir uns in dieser "Wildnis", und als wir auf ein älteres Ehepaar am Weg zu einem versteckten Friedhof trafen und die beiden befragten, rieten sie uns den Weg zurück zur Hauptstrasse zu nehmen um in den nächsten Ort zu kommen, da hier alles vermint sei. Natürlich befolgten wir den Rat gerne, bei der nächsten Ortschaft ging es dann wieder zurück auf unsere ursprünglich geplante Route und entlang einer schmalen, einspurigen Strasse. Und hier kamen wir dann tatsächlich an einer weitläufigen Wiese vorbei, die gerade von Minen geräumt wurde! Ca. 10 Minenräumgeräte verschiedenster Größe und Bauart standen am Strassenrand, die gesamte Wiese war mit Bändern in Parzellen unterteilt und umgepflügt!!
Erneut machte sich dieses mulmige Gefühl im Bauch breit und erneut bekräftigte uns dies die befestigten Wege und Strassen nur ja nicht zu verlassen!!

Dann ging es wieder ab ins Gebirge - auch hier wieder: Minenwarnschilder an allen Ecken und Enden!! Ein banger Blick von Petra, ein kurzes Überlegen - doch etliche frische Reifenspuren auf dem Schotterweg "überredeten" uns weiter zu fahren. Immer weiter wand sich der Weg den Berg hinauf, zwischendurch kamen wir an Stellen vorbei, an denen gerade Waldarbeiten stattfanden (was uns darin bestärkte, dass zumindest am Weg selbst keine Gefahr bestehen dürfte) und bei so mancher Abzweigung ging´s auf´s Geratewohl weiter. Wir trafen auf erste Schneereste, die in Kehren durchaus noch knapp einen Meter hoch sein konnten, und hofften irgendwann oben anzukommen und einen Blick nach unten zu erhaschen, da sich bis jetzt nur Wald, Wald, und wieder Wald vor, neben und hinter uns breit machte.
Plötzlich, nach einer Kehre ... war die Strasse über die gesamte Breite gut 50 cm abgesackt! Nach kurzer Begutachtung stellte sich aber heraus, dass ein Über- und Weiterfahren ohne große Probleme möglich sein sollte. Doch bereits nach der nächsten Kehre dann das entgültige Aus. Ein langes Schneeband über 4/5 der Breite des Weges und dahinter ein umgestürzter Baum mit einem Durchmesser von 30-40 cm machten dem Querungsversuch der Gebirgskette hier ein Ende.
Also retour und bei der nächsten Abzweigung in der anderen Richtung weiter. Sah eigentlich vom Weg her gut und befahrbar aus, doch ging es irgendwann wieder in die vollkommen falsche Richtung, als wir eigentlich wollten. Wieder umdrehen und ab zur nächsten Abzweigung.
Auch dort mussten wir irgendwann umkehren, da uns ein großer, umgestürzter Baum den Weg versperrte. Ich versuchte zwar noch den Baum zur Seite zu ziehen, doch er war derart ausladend, dass er uns trotzdem die Weiterfahrt verwehrte. Ein weiteres Mal drehten wir um, ein weiteres Mal fuhren wir zurück zu einer Abzweigung. Und ein weiteres Mal versperrte uns ein Baum ... ach, was heisst da einer! ... ein Baum nach dem anderen den Weg! Die Axt kam nicht zur Ruhe, die Schaufel bei einem größeren Schneefeld zum Einsatz, das uns den Weg versperren wollte, aber gequert werden konnte. Und nach dem x-ten Baum und Schneefeld dann auch noch ein großer Felsbrocken, der mitten am Weg lag und sich partout nicht bewegen lassen wollte. Der Abend näherte sich und Petra plädierte für Umkehren und den gesamten Weg wieder zurück zu fahren. Ich wollte es aber noch am Felsen vorbei versuchen, da man ja schon beinahe ins Tal sehen und es einfach nicht mehr weit sein konnte. Zudem wollte ich nicht den gesamten Weg wieder retour, da ausserdem die eine oder andere Stelle doch ziemlich happig hätte werden können, wenn man sie in die Gegenrichtung, sprich bergauf befahren hätte müssen.
Und tatsächlich, kein großer Baum mehr (nur noch kleine, die man mit etwas Vorsicht überfahren konnte), kein Schnee mehr und nach ca. 30 min waren wir endlich wieder unten und in der "Zivilisation".
Über einen schönen, allerdings asphaltierten Pass ging es runter an die Küste nach Karlobag, wo wir uns ein gutes Abendessen gönnten. Gegen Mitternacht trafen wir im Campingplatz ein, gönnten uns noch ein Gute-Nacht-Trankerl und fielen müde ins "Bett".

Am dritten Tag brachen wir unser Zelt ab und machten uns erneut auf den Weg in den Velebit, diesmal jedoch von Karlobag ausgehend in den nördlichen Teil.
Wieder ging es über eine schmale, einspurige Schotterpiste in die Berge (wir staunten nicht schlecht, als wir plötzlich einen ausgewachsenen Reisebus auf dem Pass stehen sahen, an dem gerade Reparturarbeiten durchgeführt wurden!!), ein Traum für manche Kletterer, von denen hier auch etliche unterwegs waren. Scheinbar war dieser Teil im Krieg nicht so hart umkämpft, jedenfalls sahen wir wesentlich weniger bis keine Warnschilder mehr.
Über die Berge und sehr schöne Almwiesen ging es auf Schotterpisten nach Stirovaca und wieder hinunter zur Küste und dem Fährhafen Jablanac. Zwischendurch immer wieder ein Abstecher auf den einen oder anderen noch kleineren Schotterweg, die allerdings alle im Nichts endeten und uns zum Umkehren zwangen.
In Jablanac wollten wir mit der Fähre auf die Insel Rab übersetzen und von dort mit der Fähre weiter auf die Insel Krk. Die Fährverbindung Rab-Krk wird jedoch erst mit Anfang Juni in Betrieb genommen, wir waren also ein paar Tage zu früh dran ...
So fuhren wir die Küste entlang über Senj bis nach Selce, wo wir unser Zelt ein letztes Mal in diesem Kurzurlaub aufstellten.

Am nächsten Tag noch für ein paar Stunden ein Abstecher nach Krk um die Sonne und das Meer zu genießen und danach ging´s ab in die Heimat, die uns schon in Slowenien mit entsprechenden Temperaturen und Regen empfing.

Fotos:

 

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